Rotterdam – the second city

In der Regel führt ein Holland-Trip nach Amsterdam, aber neben der hippen Grachtenmetropole und dem gediegenen Den Haag, gibt es auch noch die zweitgrößte Stadt der Niederlande zu entdecken: Rotterdam.

Regelmäßig fliegen Chartermaschinen, die unzählige holländische SkiurlauberInnen nach Österreich bringen, auch Rotterdam an. Das verschafft uns die Möglichkeit, im Winter schnell und günstig in die Niederlande zu reisen. Aber auch im Sommer, wenn vor allem Amsterdam angeflogen wird, kann man Rotterdam gut erreichen. Die Zugfahrt vom Flughafen Amsterdam Schiphol nach Rotterdam dauert nur eine halbe Stunde.

Die jüngere Geschichte der Hafenstadt ist traurig: Am 14. Mai 1940 legte die deutsche Luftwaffe im Rahmen von Hitlers Blitzkrieg gegen die Niederlande Rotterdam in Schutt und Asche. Mehr als 800 Menschen kamen bei diesem Angriff ums Leben, 80.000 Menschen wurden obdachlos und Rotterdams Innenstadt, sowie der Hafen, komplett zerstört. Lange erholte sich die Stadt nicht von diesem Desaster, in den 1970iger und 1980iger Jahren galt die Kommune noch als gesichtslos und langweilig.

In den letzten 20 Jahren hat sich das so genannte Manhattan an der Maas aber mit architektonischem Esprit und Innovation zu einer unglaublich modernen City entwickelt. Eine junge Stadt, die keine Windmühlenklischees bedient. Rotterdam besitzt den größten europäischen Seehafen und ist somit ein bestimmender Wirtschaftsfaktor in den Niederlanden. Aber die Stadt ist so viel mehr: lebendig, multikulturell, sympathisch, wenig hektisch, kulturell interessant und so gar nicht massentouristisch.

Rotterdam
Erasmusbrücke

Ein architektonischer Blickfang ist die elegante Erasmusbrücke, die sich seit 1996 über die Nieuwe Maas spannt und das Zentrum der Stadt mit dem Kop van Zuid und dem Wilhelminapier verbindet. Man kann über die Brücke spazieren oder am Ende der lebhaften Coolsingel unterhalb des Maritim Museums mit dem Wassertaxi unter der Brücke hindurch zum ortsansässigen New York schippern.

Wilhelminapier, Hotel New York
Wilhelminapier, Hotel New York

Das Hotel/Restaurant New York, ein historischer Backsteinbau, war einst das Hauptquartier der Holland – Amerika Lijn, von wo aus ab 1870 Hunderttausende in die „Neue Welt“ aufbrachen. Aufwändig restauriert kommen heute Gäste aus aller Welt dorthin, um zu übernachten, zu essen und zu feiern. Besonders beliebt ist die Location am Silvesterabend, findet doch hier eine große Party statt und der Blick vom Pier auf das größte Feuerwerk der Niederlande auf der Erasmusbrücke zum Jahreswechsel ist außerordentlich spektakulär! Eine Reservierung ist allerdings Voraussetzung für dieses Erlebnis.

Feuerwerk Erasmusbrücke
Feuerwerk Erasmusbrücke

Wer vom Silvesterfeiern nicht zu müde ist, dem sei am Neujahrstag ein Ausflug ins nahe gelegene, mondäne Nordseebad Scheveningen empfohlen. Dort findet alljährlich am 1. Jänner der so genannte Nieuwjaarduik statt. Ein Riesenevent, an dem ganz Mutige für einen Moment in die eiskalten Nordseefluten springen.

Strand Scheveningen
Nieuwjaarduik

Das neueste Flaggschiff der modernen Architektur ist das De Rotterdam. Ein Gebäude, geplant vom weltbekannten niederländischen Architekten Rem Koolhaas und seinem Office for Metropolian Architecture. Der Komplex – ein riesiger Dreifachturm – befindet sich ebenfalls am Wilhelminapier und beherbergt ein elegantes Hotel, Restaurants, Wohnungen, ein Fitnessstudio, ein Großraumkino und Teile der Stadtverwaltung. Es ist das derzeit größte Gebäude der Niederlande und von der Terrasse des Cafes hat man einen unbeschreiblichen Blick auf die Stadt. Gegenüber dem Pier, an der Westerkade befindet sich die Anlegestelle für die allseits beliebten Rundfahrten durch den größten europäischen Hafen: ein touristisches Muss für BesucherInnen der Stadt!

De Rotterdam
De Rotterdam

Ein weiteres innovatives Architekturprojekt ist die seit Oktober 2014 eröffnete Markthal nahe der Metrostation Blaak. Ein hufeisenförmiges Gebäude mit vielen Einkaufsmöglichkeiten und 228 Wohnungen auf 11 Stockwerken. Auch unzählige Restaurants und Kneipen haben dort ihren Platz gefunden. Seit Sommer 2015 betreibt Jamie Oliver in dieser interessanten Konstruktion ein Restaurant.

markthal
Markthal

Unweit der Markthal befinden sich die sehenswerten Kubushäuser des Architekten Piet Blom. In den 1970iger Jahren geplant, handelt sich um würfelförmige Häuser, die auf einer Ecke stehen und ein insgesamt sehenswerter Gebäudekomplex sind. Das Innere der Gebäude kann man bei einem Besuch des darin befindlichen Museums kennen lernen. Eine Übernachtung ist ebenfalls möglich, da sich eine Stay Okay Jugendherberge hier niedergelassen hat. Die ursprüngliche Idee des sozialen Wohnbaus konnte sich allerdings nicht durchsetzen. Auch interessant ist die Fenix Food Factory, ebenfalls eine Markthalle, etwas abseits vom Zentrum, die vom Hotel „New York“ aus über eine Fußgängerbrücke zu erreichen ist.

Kubushäuser
Kubushäuser

Wem nach so viel moderner Architektur, doch nach einem Stückchen Windmühlenklischee ist, dem sei ein Besuch von Delfshaven anzuraten. Ursprünglich der Flusshafen der Stadt Delft, wurde die Kommune 1886 in Rotterdam eingemeindet und bietet eine der wenigen Postkartenansichten, die nach dem Zweiten Weltkrieg übrig geblieben sind. Der Hafen ist schon lange nicht mehr in Betrieb, sondern dient als Freilichtmuseum mit interessanten Altstadthäusern und der Kirche der Pilgerväter. Ein historischer Ort, brachen doch die niederländischen Pilgrims von hier im Juli 1620 mit der Speedwell nach Southampton auf, um mit ihren britischen Gleichgesinnten an der Seite der Mayflower in die neue Welt zu segeln. Der ambitionierte Plan scheiterte allerdings schlussendlich an technischen Problemen.

Delfshaven
Delfshaven

Weitere historische Sehenswürdigkeiten sind das Stadhuis, der Oude Haven und das Witte Huis. Das Stadhuis (Rathaus), ein niederländisches Monument unter Denkmalschutz, wurde 1914 mit der Grundsteinlegung durch Königin Wilhelmina begründet. Der Oude Haven, dessen erstes Pier 1350 errichtet wurde, dient heute als Liegeplatz für Schiffe und das Witte Huis ist der erste Wolkenkratzer Europas, 1898 fertiggestellt, hat er das Bombardement von 1940 überstanden.

Was ist der Besuch einer Großstadt ohne Shopping? Auch hier hat Rotterdam einiges zu bieten: Von Delfshaven kann man über den Niuwe und Oude Binnenweg in die Innenstadt spazieren, begleitet vom Rotterdamer Multi-Kulti-Flair: chinesische, afrikanische, arabische Geschäfte und Lokale gemischt mit niederländischen Bäckereien, Kaffeehäusern und Kneipen. Man findet in der Innenstadt die Lijnbaan, eine der ersten europäischen Shoppingmeilen und als erste autofreie Einkaufsstraße der 1950iger Jahre Vorreiterin für andere europäische Städte.

Coolsingel mit Stadhuis bei Nacht
Coolsingel mit Stadhuis bei Nacht

Auch die Coolsingel, eine der wichtigsten Verkehrsadern der Stadt, bietet viele Einkaufsmöglichkeiten, so z. B. das Kaufhaus DeBijenkorf. Zu guter Letzt lohnt es sich auch die Witte de Withstraat zu besuchen. Hier findet man Boutiquen von holländischen JungdesignerInnen, Kunstgalerien und gemütliche Kneipen. Wäre die Stadt damals schon ein Shoppingparadies gewesen, hätte man die Beute seit 1900 mit der ersten Pferdestraßenbahn der Stadt nach Hause bringen können.

LOKALTIPPS:

BIRD (Jazzclub und Brasserie)
Raamportstraat 24/26/28
3032 AH Rotterdam

DUDOK (Brasserie)
Meent 88
3011 JP Rotterdam

RESTAURANT/HOTEL NEW YORK
Koninginnenhofd 1
3072 AD Rotterdam

WESTERPAVILJOEN (Cafe, Bar, Brasserie)
Nieuwe Binnenweg 136
3015 BE Rotterdam

RESTAURANT ZINC (kleines Restaurant ohne Speisekarte, dafür mit Menüempfehlungen vom Chef)
Calandstraat 12 A
3016 CB Rotterdam

DE WITTE AAP (Bar)
Witte de Withstraat 78
3012 BS Rotterdam

UIT JE EIGEN STAD (eine Art Stadtbauernhof mit Restaurant)
Marconistraat 39
3029 AG Rotterdam

NIEUW CAFE ROTTERDAM (Frühstück, Lunch, Dinner)
Witte de Withstraat
3012 BN Rotterdam

ROTOWN (Cafe, Restaurant, Live Musik)
Nieuwe Binnenweg 19
3014 GB Rotterdam

VILLA AUGUSTUS (Gemüsegarten, Restaurant und Hotel)
in Dordrecht – mit dem Boot aber Willemskade zu erreichen.